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Aktuelle Filmreihe

Das AlleWeltKino Mainz zeigt in der aktuellen Filmreihe:

„Unterwegs ins Alter - Reisen zum eigenen Ich”

Nächste Vorstellung

Montag, 05.03. 19:30 Uhr
„Ginger und Fred”

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Es wurde Licht

Quelle: Süddeutsche Zeitung 28.11.2002

Elf Regisseure mit jeweils elf Minuten zum 11.September

Die Intentionen waren plausibel. Die meisten der elf Regisseure aus elf Ländern wollten mit ihren Fiktionen genau das, was die Live-Fernsehbilder vom Einsturz des World Trade Center nicht leisten konnten: Die Terroranschläge sollten nicht als Schlag aus heiterem Himmel erscheinen, sondern in einen globalen Kontext gerückt werden. Also kein "vertikales" Erzählen, das noch einmal den Sturz der Türme wiederholt, sondern ein "horizontales", das den Blick auf die Welt weitet. Dennoch wurde "11'09"01" ein eher zwiespältiger Film, weil kaum eine seiner elf Episoden den fatalen Kreislauf von Aufrechnen und Entgegenhalten zu durchbrechen versucht. Zu fließend und unscharf bleiben die Grenzen zwischen Erklärung und Apologie.
Die Sorge, die Vorgabe - jeder Beitrag musste mit 11 Minuten, 9 Sekunden und einem Einzelbild auskommen - könnte zu einem gnadenlos mechanisch ablaufenden Ergebnis führen, war unberechtigt. Im Gegenteil: die im Kino erlebte Zeit wird so subjektiv wahrgenommen, dass die Episoden unterschiedlich lang wirken. Das geheime Leitmotiv fast aller Regisseure, der Hinweis auf die Opfer in oder aus dem eigenen Land, verbunden meist mit Querverweisen auf Verantwortung und Schuld der USA, erweckt fast den Eindruck eines starren Systems.
Der israelische Regisseur Amos Gitai berichtet von einem Sprengstoffanschlag in Tel Aviv; der ägyptische Filmemacher Youssef Chahine lässt einen bei Beirut gefallenen G. I. und einen toten palästinensischen Selbstmord-Attentäter auftreten; die Iranerin Samira Makhmalbaf erzählt von einer Lehrerin, die im Iran afghanische Flüchtlingskinder unterrichtet und Angst hat vor amerikanischen Bomben; im Beitrag des Bosniers Danis Tanovic demonstrieren Frauen und trauern um die Toten von Srebrenica; der Brite Ken Loach erinnert an den 11. September 1973 und den vom CIA unterstützten Putsch gegen Allende; bei der Inderin Mira Nair verdächtigt das FBI einen jungen pakistanischen Einwanderer des Terrorismus, bis sich erweist, dass dieser im WTC den Heldentod starb.
Islamische Fundamentalisten oder die al-Qaida kommen hier nicht vor. Einmal tritt Osama bin Laden auf, im Beitrag von Idrissa Ouedraogo aus Burkina Faso - ein Schauspieler. Dennoch gehört diese Arbeit zu den Ausnahmen in diesem Mosaik, weil sie nicht pathetisch, sondern satirisch die eigene Welt in den Mittelpunkt stellt: Notleidende Kids von Ouagadougou haben nicht nur den Steckbrief, sondern den leibhaftigen bin Laden gesehen und wollen sich die Belohnung verdienen, um das Geld sinnvoller auszugeben als die Erwachsenen es tun. Das Double sieht so echt aus, als hätte sich der leibhaftige bin Laden den Spaß geleistet, die Rolle selbst zu übernehmen.
Es bedarf keines großen Mutes, außerhalb der USA nach deren Schuld am Zustand der Welt zu fragen und auf das eigene Leid zu verweisen. Nur einem einzigen Regisseur gelingt es, diesen Zirkel der Motive zu durchbrechen. Sean Penns hintergründiger und keineswegs patriotischer Film wirkt, als würde endlich einer eine Tür aufstoßen und ins Freie vordringen: Hell wird es im Zimmer eines einsamen Witwers, wenn die Türme zusammensinken, die der Sonne im Weg standen. Sogar die kümmerlichen Rosen des alten Mannes fangen zu blühen an. "Die Frage", sagt Sean Penn, "ist doch immer, wie man mit dem Heute seinen Frieden schließen und glauben kann, dass es morgen besser sein könnte."

H. G. PFLAUM

 

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